Landschaftspflegeverband
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Naturschutz hautnah - Schüler pflegen das Flächennaturdenkmal Pesterwitzer Weinberg

 

In der zweiten Junihälfte ist Heuerntezeit. Auch in Pesterwitz im Süden Dresdens strahlt die Sonne unerbittlich vom blauen Himmel, sodass bereits um acht Uhr morgens ein schattiges Plätzchen der angenehmste Aufenthaltsort ist. Nichtsdestotrotz treten die Gymnasiasten der elften Klassen des Berufsschulzentrums für Agrarwirtschaft und Ernährung in Altroßtal motiviert zur Freilandarbeit an. Heu und Grünschnitt sollen an zwei Tagen von der Fläche geräumt werden. In den steilen Hängen des ehemaligen Pesterwitzer Weinbergs ist noch echte Handarbeit gefragt. Die Pflegemaßnahme ist Teil eines praxisorientierten Naturschutzprojekts der Berufsschule in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband.

tl_files/images/Veranstaltungen/Veranstaltungen 2017/Pesterwitz_Wiesenpflege_09.JPGDem Flächennaturdenkmal (FND) Pesterwitzer Weinberg und dem angrenzende FND „Halbtrockenrasen westlich der Winzerei“ kommt mit ihrer reichen floristischen Ausstattung eine große Bedeutung als Biotop für Insekten, Reptilien, Vögel und Säugetiere zu. Auf dem sonnenverwöhnten nährstoffarmen Halbtrockenrasen kommen selten gewordene Arten, wie der Feld-Thymian vor. Durch die Nutzungsaufgabe der ehemals schafbeweideten Fläche, verbuschte das Offenland zusehends und der Artenreichtum schwand. Die mit Rosen und Brombeeren überwucherten Wiesen wurden deshalb in den Jahren 2013 bis 2015 schrittweise beräumt. Die Reste einer ehemaligen Streuobstwiese sowie einzelne dornenbesetzte Gehölze verblieben als Strukturelemente für Insekten und Vögel auf der Fläche. Das freut vor allem den Neuntöter. Der Sperlingsvogel findet in den Gebüschen gute Nistmöglichkeiten. Die nun jährlich stattfindende extensive Wiesenpflege fördert den Erhalt der sonnenhungrigen Pflanzenarten im FND.

Als Anfang des Monats die Wiesen in voller Blüte standen, lernten die Schüler das FND und dessen Artenzusammensetzung kennen. Nach einer Einführung in die Geschichte des Weinbergs durch Cordula Jost, der Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands, erschlossen sich die Schüler das Arteninventar mit Hilfe von Bestimmungsliteratur. Mit den Mitarbeiterinnen des LPV kämpften sich die Schüler durch das mannshohe Gras und bestimmten Pflanzen vom Weinberglauch bis zur Witwenblume.

tl_files/images/Veranstaltungen/Veranstaltungen 2017/Pesterwitz_Wiesenpflege_11.JPGAm heutigen Tag beobachtet ein junger Bussard, von seinem Ansitz auf einem der alten Obstbäume, das Geschehen. Mit Rechen und Heugabeln ausgestattet folgen die Schüler den Männern der Osterzgebirgischen Landschaftspflege GmbH, die mit der Flächenpflege betraut ist, den Hang hinauf. Unter Anleitung der Fachleute wird der Grünschnitt Richtung Tal befördert. Das geht am besten im Team. Dazu formen mehrere Schüler lange Heurollen, die sich anschließend ohne viel Kraftaufwand hangabwärts bewegen lassen, wo sie auf dem Fahrweg vom Sammelwagen aufgenommen werden. Das steile Gelände und die Wärme geben das Arbeitstempo vor und verlangen viele Trinkpausen mit Rast im Schatten. Schnell bekommen die Schüler eine Vorstellung von der mühseligen Handarbeit, die schwer zugängliche Biotoppflegeflächen wie diese erfordern. Das Durchhaltevermögen der fleißigen Helfer zahlt sich aus. Schnell ist das Tagesziel geschafft, sodass nach dem gemeinsamen Mittagessen alle in den freien Nachmittag entlassen werden.

Der Landschaftspflegeverband bedankt sich bei den Schülern des BSZ Altroßtal für die tatkräftige Unterstützung! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in diesem Herbst. Zum Projektteil Streuobstwiese im September heißt es dann: ab in die Äpfel! Bei der Obsternte wird noch einmal gemeinsam angepackt.

22.06.2017

Impressionen vom Pesterwitzer Weinberg 2017