Gewinner des Wiesen- und Fotowettbewerbs 2026 auf dem Fest der Artenvielfalt ausgezeichnet
Beim Fest der Artenvielfalt am 30. August 2026 in Reinhardtsdorf-Schöna standen die Wiesen unseres Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Mittelpunkt. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Wiesen- und Fotowettbewerbs ausgezeichnet.
Der Wiesenwettbewerb macht sichtbar, was auf den ersten Blick leicht übersehen wird: Eine Wiese ist weit mehr als eine grüne Fläche. Unterschiedliche Bodenverhältnisse, Feuchtigkeit, Nährstoffangebot und Bewirtschaftungsformen schaffen Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Die sechs ausgezeichneten Wiesen zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich artenreiches Grünland aussehen kann.
1. Wiesenwettbewerb 2026
Für die Bewertung wurden die Flächen von der Jury vor Ort betrachtet. Die Jury setzte sich aus Fachleuten des Landschaftspflegeverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, des Referats Naturschutz im Umweltamt des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz und der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz zusammen.
Neben dem Artenreichtum spielten unter anderem die Zusammensetzung der Vegetation, besondere Pflanzenarten, die Bedeutung der Wiese für Insekten sowie ihre Bewirtschaftung und Pflege eine Rolle.
Sechs Wiesen, sechs unterschiedliche Lebensräume:
Die sechs prämierten Gewinnerwiesen machen deutlich, dass Wiesenvielfalt viele Gesichter hat. Von der artenreichen Bergwiese mit Orchideen über feuchte Dorfauenwiesen bis hin zur kleinen Waldwiese reicht das Spektrum. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre biologische Vielfalt eng mit den jeweiligen Standortbedingungen und einer angepassten Nutzung verbunden ist.
Dabei zählt nicht allein die Zahl der gefundenen Pflanzenarten. Entscheidend ist auch, welche Arten vorkommen, wie sie miteinander vergesellschaftet sind und welche Strukturen eine Wiese bietet. Blütenreiche Kräuter liefern Nahrung für Insekten, feuchte Bereiche schaffen besondere Lebensbedingungen und alte Obstbäume oder Waldränder ergänzen das Mosaik um weitere wertvolle Strukturen.
Sächsische Schweiz
1. Platz: Ingrid Henke – „Große Wiese am Rande des Sebnitztales“ in Rathmannsdorf
59 Pflanzenarten wurden auf der großen Wiese am Rand des Sebnitztales festgestellt. Das Artenspektrum wird von typischen Gräsern traditioneller Heuwiesen geprägt und durch zahlreiche Kräuter ergänzt. Besonders auffällig sind verschiedene Klee-Arten, Gewöhnlicher Hornklee sowie Wiesen- und Rundblättrige Glockenblume. An den steileren Hangbereichen findet sich außerdem die Wiesen-Margerite.
Damit besitzt die Fläche nicht nur botanische Vielfalt, sondern auch ein reiches Angebot an Blüten für Insekten. Bemerkenswert ist zudem ihre traditionelle Nutzung als Futterwiese in Verbindung mit Rinderbeweidung.

2. Platz: Sabine und Ullrich Hering – „Wiese in Heeselicht“
In Heeselicht präsentiert sich eine arten- und strukturreiche Dorfwiese mit 52 Pflanzenarten. In den nährstoffärmeren Bereichen wachsen typische Kräuter traditioneller Heuwiesen, darunter Wiesen-Margerite, Wiesen-Glockenblume und Rauher Löwenzahn.
Besondere Strukturen schaffen die alten Obstbäume. Gleichzeitig zeigen sich auf der Fläche unterschiedliche Standortbedingungen: Entlang des Baches und in der Nähe des Teiches dominiert die Zittergras-Segge. Die Wiese wird als Heuwiese genutzt – eine Bewirtschaftungsform, die wesentlich dazu beiträgt, offene und artenreiche Grünlandstrukturen zu erhalten.

3. Platz: Uta und Stefan Büchner – „Kleine Waldwiese bei Mittelndorf“
Die kleine Waldwiese bei Mittelndorf unterscheidet sich deutlich von den beiden größeren Flächen. 37 Pflanzenarten konnten festgestellt werden. Gras- und Seggenarten prägen derzeit das Bild, während blütenreiche Kräuter nur verstreut vorkommen.
Zu den nachgewiesenen Arten gehören unter anderem Wiesen-Glockenblume, Wiesen-Schaumkraut, Roter Fingerhut, Blutwurz, Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Wachtelweizen. Gerade solche Flächen zeigen, dass Artenvielfalt nicht allein eine Frage der vorhandenen Artenzahl ist: Auch Standort, Struktur und Entwicklungsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle. Eine Aufwertung durch Mahdgutübertragung könnte hier künftig zusätzliche Wiesenarten etablieren.

Osterzgebirge
1. Platz: Sibylle und Nicola Voß, Bewirtschafter Jens Weber – „Wiese im Tal der Kleinen Biela“ bei Bärenstein
Besonders vielfältig präsentiert sich die Wiese im Tal der Kleinen Biela. Mit 79 nachgewiesenen Pflanzenarten gehört sie zu den artenreichsten Flächen des Wettbewerbs. Ein besonderer Reiz liegt in ihrem kleinräumigen Wechsel von feuchten, frischen und trockeneren Bereichen.
Zu den bemerkenswerten Pflanzen gehören drei Orchideenarten, das Fuchssche Knabenkraut, das Breitblättrige Knabenkraut und das Große Zweiblatt. Hinzu kommen typische und teilweise seltene Arten nährstoffärmerer Wiesen wie Zittergras, Flaumhafer und Gewöhnliches Kreuzblümchen. Auch typische Bergwiesenarten wie Bärwurz, Weichhaariger Pippau und Perücken-Flockenblume sind vertreten.
Viele krautige Blütenpflanzen – beispielsweise Acker-Witwenblume, Feld-Thymian, Glockenblumen und verschiedene Klee-Arten – bieten ein breit gefächertes Nahrungsangebot für Insekten. Unterschiedlich alte Obstbäume ergänzen die Wiesenvegetation um weitere Strukturen und Lebensräume.
Bewirtschaftet wird die Fläche abschnittsweise mit der Sense; das Mahdgut wird als Heu genutzt. Das Zusammenspiel aus artenreicher Vegetation, unterschiedlichen Feuchtebereichen, alten Obstbäumen und extensiver Nutzung macht die Wiese zu einem besonders wertvollen Offenlandlebensraum.

2. Platz: Familie Peuckert – „Wiese in Johnsbach“
Die Wiese in der Dorfaue von Johnsbach ist mit 50 Pflanzenarten eine artenreiche Feuchtwiese. Charakteristisch ist ihr Aufbau mit zahlreichen Untergräsern und Kleinseggen; hochwüchsige Obergräser spielen dagegen nur eine geringe Rolle.
Besonders interessant ist das Vorkommen typischer Feuchtwiesenarten. Dazu gehören Schlangen-Knöterich, Sumpf-Pippau, Sumpf-Labkraut, Sumpf-Dotterblume, Sumpf-Hornklee, Brennender Hahnenfuß und Kuckucks-Lichtnelke. Die zahlreichen krautigen Blütenpflanzen sind zugleich eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten.
Die Fläche zeigt damit sehr anschaulich, dass auch feuchte Wiesen einen eigenen, charakteristischen Artenreichtum besitzen.

Platz: Ralf Bernhard – „Wiese in Seyde“
Auch die Wiese in Seyde bringt 50 Pflanzenarten zusammen. Die Fläche ist sehr wüchsig und überwiegend frisch, weist aber auch feuchte und nasse Bereiche auf. Gerade dieser Wechsel verschiedener Standortbedingungen prägt das Artenspektrum.
Typische Bergwiesenarten des Erzgebirges sind unter anderem Wald-Storchschnabel und Verschiedenblättrige Kratzdistel. In den feuchteren Bereichen kommen Schlangen-Knöterich und Sumpf-Dotterblume hinzu.
Die Fläche wird als Heuwiese genutzt. Für einige nährstoffreichere Bereiche wird eine frühere und häufigere Mahd empfohlen, um den Anteil krautiger Arten gegenüber den stärker wachsenden Gräsern zu erhöhen.

Auch den weiteren 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Wiesenwettbewerbs gilt unser herzlicher Dank. Mit den artenreichen und wertvollen Wiesen wurde gezeigt, wie facettenreich die Wiesenlandschaft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist. Eine standortgerecht und angepasst bewirtschaftete Wiese leistet auf ihre Weise einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Vielen Dank für euer Engagement und die Bereitschaft, diese besonderen Lebensräume zu bewahren!
2. Fotowettbewerb 2026
Den Blick auf die Wiesen aus einer anderen Perspektive eröffnete der begleitende Fotowettbewerb. Die eingereichten Bilder zeigen, wie mannigfaltig die Landschaft auch fotografisch entdeckt werden kann – von der offenen Wiesenlandschaft bis hin zu ihren tierischen und pflanzlichen Bewohnern!
Die Jury vereinte Vertreterinnen und Vertreter des Landschaftspflegeverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, der Unteren Naturschutzbehörde und des Bereichs Landwirtschaft.
1. Platz: Jens Radke – „Feldhasen auf Wiesenweg“

2. Platz: Jeannette Frei – „Hangwiese hinter dem Haus“

3. Platz: Enrico Heine und Karin Heine – „Glockenblumen“

Ein herzliches Dankeschön gilt allen 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mit ihren Bildern die Wiesen im Landkreis SOE aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt und den Wettbewerb bereichert haben.
3. Preisverleihung beim Fest der Artenvielfalt
Die Auszeichnungen für beide Wettbewerbe wurden beim Fest der Artenvielfalt in Reinhardtsdorf-Schöna überreicht. Die Urkunden und Geschenke an die Gewinnerinnen und Gewinner übergaben Marit Deumlich von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Jörn Reike vom Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Uwe Borrmeister vom Nationalpark Sächsische Schweiz sowie Tobias Bucher, stellvertretender Bürgermeister von Reinhardtsdorf-Schöna.
Informationsstände, Mitmachangebote, ein Naturmarkt und der Austausch mit zahlreichen Aktiven aus Naturschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege umrahmten das Fest für die Würdigung der Gewinnerinnen und Gewinner.

Foto: Impression vom Fest der Artenvielfalt 2026 in Reinhardtsdorf-Schöna
Wir gratulieren allen Ausgezeichneten herzlich und bedanken uns bei allen Teilnehmenden, die mit ihren Wiesen und Fotografien die Vielfalt in unserer Kulturlandschaft sichtbar gemacht haben.
4. Ausblick auf 2027: Neuer Wiesenwettbewerb und Fotowettbewerb
Auch von April bis Juli 2027 wird der Wiesen- und Fotowettbewerb wieder stattfinden. Wir freuen uns schon jetzt auf viele artenreiche Wiesen und schöne Einblicke im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge!
Auch das Fest der Artenvielfalt in Reinhardtsdorf-Schöna wird 2027 (voraussichtlich am letzten August-Sonntag) erneut stattfinden.
Weitere Informationen zu den Wettbewerben und zur Teilnahme gibt es zu Beginn des Jahres 2027 auf der Website des Landschaftspflegeverbandes, über die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, in den Amtsblättern und im Landkreisboten.
Das Projekt „Biologische Vielfalt auf Wiesen erhalten, bewahren und schützen“ wird im Rahmen der Förderrichtlinie Natürliches Erbe (FRL NE/2023) mit Unterstützung der Europäischen Union gefördert (01.06.2025–31.05.2028).





